Für Einsender > Fachinformationen für Ärzte/Diagnostikinfos

Aktuelle Informationen zur Influenza-Diagnostik
Die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) berichtet seit der 40. Kalenderwoche über die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE). Seit der 40. KW 2011 wurden insgesamt 25 Influenza-Fälle an das RKI übermittelt: 16 Fälle von Influenza A (ein subtypisiertes Virus war Influenza A-H1N1pdm2009), fünf Influenza B-Fälle sowie vier Fälle, bei denen der Nachweis nicht nach Influenza A oder B differenziert wurde. Insgesamt ist aber die Aktivität der ARE noch gering (Stand 44.KW 2011).

Bild-Beschreibung            Bild-Beschreibung
Quelle: Norbert Bannert, Freya Kaulbars (2006).

Daten der Influenzasaison 2010/2011
Die Influenzasaison 2010/2011 erstreckte sich von KW 50/2010 bis KW 14/2011. Der Verteilung der Influenzavirus Subtypen war gemäß der Analyse des Nationalen Referenzzentrum Influenzaviren am RKI, Berlin folgendermaßen:
- 62% Influenzavirus-A-H1N1pdm2009-Virus
- 1% Influenza-A-H3N2-Virus
- 37% Influenza B Virus
Alle Virusisolate zeigten eine 100%ige Empfindlichkeit gegen Zanamivir und Oseltamivir (bei In¬fluenzavirus-A-H1N1pdm2009 97%ige Empfindlichkeit).

Klinische Symptomatik
Die Influenza-typische Symptomatik (influenza-like illness, kurz ILI) ist durch

• plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber (≥ 38,5 °C)
• trockenen Reizhusten
• Halsschmerzen
• Muskel- und/oder Kopfschmerzen

gekennzeichnet.

Weitere Symptome können allgemeine Schwäche, Schweißausbrüche, Rhinorrhoe, aber auch Übelkeit/Erbrechen und Durchfall sein. Die Krankheitsdauer liegt in der Regel bei 5–7 Tagen, die in Abhängigkeit von Komplikationen und Risikofaktoren jedoch auch deutlich länger sein kann.
Selten kommt es zu schweren Verläufen. Zeichen einer (oft sehr schnell) fortschreitenden Influenza-Erkrankung können sein:

• kontinuierlich über mindestens drei Tage anhaltendes hohes Fieber
• Luftnot, Kurzatmigkeit, erhöhte Atemfrequenz oder Schwierigkeiten beim
   Atmen; Lippenzyanose
• blutiges oder koloriertes Sputum, Brustschmerz oder niedriger systolischer
   Blutdruck
• Schläfrigkeit, Verwirrtheit, Lethargie oder ausgeprägte allgemeine Schwäche
• Dehydratation mit konzentriertem Urin oder verminderter Urinausscheidung

Schwere Verläufe haben v.a. ältere Personen und Personen mit Grundkrankheiten. Zu diesen zählen z.B. chronische Herzerkrankungen, chronische Lungenerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes), Immundefekte, neurologische bzw. neuromuskuläre Erkrankungen und (bei Influenza A(H1N1) 2009) schwere Fettleibigkeit (Adipositas). Außerdem erhöht eine Schwangerschaft, v. a. im fortgeschrittenen Stadium, das Risiko für einen schweren Verlauf.

Auch bei Kindern treten schwere Erkrankungen mit Beatmungspflicht und Komplikationen, wie z. B. Myokarditis oder Enzephalopathie, häufiger auf.

Diagnostik
Während der Hochphase einer Influenzawelle und bei Epidemien hat die ILI-Symptomatik einen so guten Vorhersagewert, dass die Erkrankung bei den meisten Patienten mit hinreichender Wahrscheinlichkeit anhand der klinischen Präsentation diagnostiziert werden kann.
Bei Risikogruppen oder wenn sich ein schwerer Verlauf andeutet, kann für den behandelnden Arzt eine schnelle Diagnostik hilfreich sein.
Unter Umständen muss bei Anforderung der Polymerase-Kettenreaktion, deren Ergebnis aber erst nach einem Tag zur Verfügung steht, ein Therapiebeginn erwogen werden.
Zu beachten ist, dass die Wahrscheinlichkeit eines positiven Labortests nach den ersten zwei Erkrankungstagen abnimmt und selbstverständlich auch von der Qualität des Probenmaterials abhängt. Zum Beispiel haben Abstriche aus der Nase eine höhere Sensitivität als Proben aus dem Rachenraum.

Therapie
Bei Verdacht auf einen schweren Verlauf einer Influenza-Erkrankung oder wenn ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht, z.B. wenn eine oder insbesondere mehrere der oben genannten Vorerkrankungen oder eine Schwangerschaft vorliegen, sollte eine antivirale Therapie erwogen werden. Eine labordiagnostische Sicherung der Diagnose ist bei schwerer Symptomatik sinnvoll, sollte aber den Beginn der Therapie nicht verzögern. Eventuell kann die Fortführung der Therapie nach Vorliegen des labordiagnostischen Testergebnisses neu überdacht werden.
Die Behandlung der Influenza bei Personen, die nicht zu den Risikogruppen gehören, und bei unkompliziertem Verlauf erfolgt überwiegend symptomatisch. Bei Zeichen einer bakteriellen Superinfektion sind Antibiotika indiziert. Für Kinder mit einer Medikation von Salizylaten (Gefahr der Ausbildung eines Reye-Syndroms) ist deshalb eine Impfung besonders wichtig.
Eine spezifische Therapie mit antiviralen Arzneimitteln sollte so früh wie möglich, d. h. innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome, begonnen werden, kann aber bei schweren Verläufen auch danach noch, u. U. auch in höherer Dosierung sowie über einen längeren Zeitraum, versucht werden und die Prognose positiv beeinflussen.

Eine Impfung kann und sollte jetzt noch durchgeführt werden!