Home >  IMD Labor > Präanalytik > Allgemeine Hinweise

Die Präanalytik umfasst die Patientenvorbereitung, die Gewinnung, die Zwischenlagerung, den Transport und die Vorbereitung eines medizinischen Untersuchungsmaterials, also die Prozesse vor der Durchführung der eigentlichen Analyse. Zeitlich bezeichnet man diesen Abschnitt als präanalytische Phase.

In der präanalytischen Phase wirken Einflussgrößen, Störfaktoren und weitere Einflussfaktoren mit zum Teil schwerwiegenden Konsequenzen auf das Analysenergebnis. Deshalb bitten wir Sie um Beachtung der angegebenen präanalytischen Hinweise! In Zweifelsfällen stehen wir Ihnen für eine telefonische Rücksprache gerne zur Verfügung.

Einflussgrößen

Einflussgrößen (unveränderliche und veränderliche) sind unabhängig vom Analyseverfahren. Sie verursachen die Änderung der Konzentration, der Aktivität oder der Beschaffenheit. Einflussgrößen (unveränderliche und veränderliche) sind unabhängig vom Analyseverfahren. Sie verursachen die Änderung der Konzentration, der Aktivität oder der Beschaffenheit des Analyten bereits im Körper des Patienten.

Unveränderliche Einflussgrößen sind:

  • Geschlecht
  • Rasse
  • Erbfaktoren

Veränderliche Einflussgrößen sind:

  • Lebensalter
  • Körpergewicht
  • Ernährung, Rauchen, Kaffee
  • Alkohol, Drogen
  • Medikamente
  • Diagnostische Maßnahmen
  • Körperliche Aktivität
  • Stress
  • Zirkadiane Rhythmik
  • Schwangerschaft
  • Körperlage
  • Höhenlage des Lebensum­feldes des Patienten (Küstenbewohner, Bergbewohner)

Nach oben

Störfaktoren

Während und nach der Materialentnahme (Lagerung, Transport, Probenvorbereitung) und auch während der eigentlichen Analyse kann das Analysenergebnis durch körpereigene und körperfremde Störfaktoren verändert werden.

Körpereigene Störfaktoren sind:

  • Hämoglobinämie (hämolytische Seren/Plasmen)
  • Hämoglobinurie (blutig tingierter Urin)
  • Hyperbilirubinämie (ikterische Seren/Plasmen)
  • Hyperlipidämie (lipämische Seren/Plasmen)
  • Polyzytämie

Beim Auftreten körpereigener Störfaktoren wird der aktuelle Befund unter Vorbehalt erstellt bzw. kann u. U. keine Messung erfolgen. Welche Analyte beispielhaft durch welche Störfaktoren beeinflusst werden, kann der nachfolgenden Tabelle entnommen werden:

Analyt

hämolytische Proben

lipämische Proben

ikterische Proben


Berlin*

Potsdam*

Berlin*

Potsdam*

Berlin*

Potsdam*

ALAT (GPT)

X

X





AP

X

X

X




Ammoniak

X

X





ASAT (GOT)

X

X





Bilirubin

X

X

X




Calcium

X



X



Kreatinin

X

X



X

X

Eisen

X

X





Gesamteiweiß

X

X




X

Gamma-GT

X

X




X

Folsäure

X

X





Glukose

X

X





Glutamatdehydrogenase



X

X



Harnstoff

X




X


Kalium

X

X

X


X


Kupfer



X

X



Lactatdehydrogenase

X


X

X



Magnesium

X

X




X

Phosphat, anorganisch

X

X


X

X

X

Triglyceride

X

X




X

 

Körperfremde Störfaktoren sind:

  • Arzneimittel (Infusionslösungen, Antibiotika, Blutprodukte)
  • Antikoagulanzien im Monovettensystem (EDTA, Citrat, Heparin)
  • Kontaminationen (Bakterien, Pilze)

* Da unterschiedliche Analysensysteme in Verwendung sind, haben die Störfaktoren unterschiedliche Einflüsse auf die Messungen

Weitere Einflussfaktoren

Des Weiteren kann das Analysenergebnis durch folgende Einflussfaktoren verändert werden.

Diese sind zum Beispiel:

  • Ungeeignete Materialentnahmesysteme
  • Falscher Entnahmezeitpunkt
  • Falsche Lagertemperatur
  • Zu lange Lagerzeit
  • Zu lange Stauung
  • Unzureichende Durchmischung von EDTA- und Citrat-Monovetten

Materialbegleitscheine/Hinweise zur Identitätssicherung und Materialkennzeichnung

Mit dem Materialbegleitschein sollen der Untersuchungsauftrag und für die Befunderstellung essentielle Informationen an den Laborarzt übermittelt werden, die dann in den labormedizinischen Befund münden.

Labormedizinische Befunde sind ärztliche Leistungen, die neben dem Einzelergebnis auch die zusammenschauende Interpre­tation aller Analysenergebnisse beinhalten. Für eine Interpretation sind klinische Angaben (Fragestellung, Verdachtsdiagnose, sonstige Untersuchungsanlässe, wie z. B. Impftiterkontrolle) und Zusatzinformationen unerlässlich.

Nachfolgend haben wir Ihnen notwendige Angaben auf Materialbegleitscheinen für eine zeit- und qualitätsgerechte Befunder­stellung zusammengefasst!

Angaben zur Identitätssicherung:

  • Einsender
  • Vollständiger Name, Vorname und Geburtsdatum des Patienten
  • Insbesondere bei allen Blutgruppenbestimmungen und Mutationsnachweisen Beschriftung auch auf dem Probengefäß (Pflichtangabe!)
  • Geschlecht
  • Adresse
  • Angaben zum Versicherungsstatus
  • Barcodenummer (auf dem Probengefäß, den Anforderungsscheinen)

Angaben zum Untersuchungsmaterial:

  • Entnahmedatum
  • Entnahmezeit
  • Art des Untersuchungsmaterials
  • Anatomischer Herkunftsort, insbesondere bei mikrobiologischen Proben (z.B. Kornealabstrich li.)
  • Kennzeichnung infektiösen Materials

Angaben zum Auftrag:

  • Der konkrete Untersuchungsauftrag
  • Dringlichkeitsvermerk (»Eilt«, »Cito« auf dem Begleitschein vermerken und Cito-Tüte verwenden)
  • Angabe der Analysenpriorität bei geringem Probenvolumen
  • Fragestellung, Verdachtsdiagnose, sonstige Untersuchungsanlässe

Zusatzinformationen für bestimmte Untersuchungsaufträge und -materialien:

  • Funktionsteste: Entnahmezeit
  • Hormondiagnostik (Gynäkologie): Zyklustag, Angaben zum Zyklusverlauf, Körpergröße, Körpergewicht
  • Sammelurin: Sammelmenge, Sammelzeit
  • Mikrobiologie: anatomischer Herkunftsort, Angaben zur antimikrobiellen Therapie, Grunderkrankungen, Umgebungs- und Reiseanamnese

Nachforderungen von Untersuchungen aus bereits eingegangenen Proben

Optimal ist grundsätzlich nur frisches Untersuchungsmaterial!

Im Verlauf der Probenalterung (diese beginnt bereits während der Probennahme) kommt es je nach Fortschritt zu Veränderungen des Analyten mit signifikanten Abweichungen vom eigentlichen, wahren Wert. Falsch niedrige, falsch hohe oder falsch normale Ergebnisse können die Folge sein!

Wir möchten Ihnen zuverlässige Befunde bereitstellen und empfehlen daher, grundsätzlich auf nachträgliche Anforderungen zu verzichten.

Sollten im konkreten Einzelfall Nachforderungen aus klinisch dringlicher Sicht erforderlich sein, so nehmen Sie bitte Kontakt zu unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Service auf. Sie geben Ihnen gern Auskunft über die Eignung des vorhandenen Materials für die nachzufordernde Analyse.

Die handelnden Personen in der präanalytischen Phase

In der präanalytischen Phase üben verschiedene Personen durch ihr Handeln Einfluss auf den Analyten aus. Der Analyt ist der im Untersuchungsmaterial zu bestimmende Parameter. Die handelnden Personen und ihre Verantwortung im diagnostischen Prozess werden nachfolgend dargestellt.

Der Patient:

  • Sammeln, Gewinnen von Untersuchungsmaterial (z. B. Urin, Stuhl, Sputum)
  • Einhaltung einer Nahrungskarenz bzw. bestimmter Diäten
  • Absetzen bestimmter Medikamente
  • Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln (z. B. kein Fahrradfahren vor Blutentnahmen für die PSA- Bestimmung)

Die Arztpraxis, die Klinik:

  • Patienteneinweisung (z. B. Informationen zum Sammeln und Gewinnen von Untersuchungsmaterialien, Hinweise zu bestimmten Verhaltensregeln)
  • Identitätssicherung
  • Probennahme (inkl. Ausfüllen der Materialbegleitscheine und Beschriftung der Probengefäße)
  • Probenvorbereitung für Zwischenlagerung und für den Transport
  • Zwischenlagerung bis zum Versand
  • Information des Kurierdienstes über besondere Transportformen (z. B. tiefgefroren, Probe nicht kühlen, Cito-Probe)

Das Labor:

  • Erstellen von Präanalytik-Informationen für die Praxis, Klinik und Patienten
  • Organisation des Probentransportes (Kurierdienst)
  • Erfassung und Überprüfung des Untersuchungsauftrages
  • Prüfung der Probe auf Eignung für die Durchführung der angeforderten Untersuchung
  • Zwischenlagerung bis zur Analyse
  • Probenvorbereitung für die Analyse