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Leukozytendifferenzierung im Diff-Kanal

Durch das Lysereagenz werden im Diff-Kanal die Erythrozyten lysiert und die Thrombozyten geschrumpft, so dass sie nur geringe Signalintenstät aufweisen, siehe Ghost in der Abb. 11. Die zusätzliche Anfärbung der Nukleinsäuren mit dem Fluoreszenzfarbstoffgemisch Polymethin / Oxacin gibt die Unterscheidungsmöglichkeit der Zellen über ihren Gehalt an RNS und DNS.



Abb. 11 Diff-Scattergramm einer unauffälligen peripheren Blutprobe
Darstellung der Leukozytenpopulationen Seitwärts-Streulicht (Granularität) gegen Fluoreszenz (Nukleinsäuregehalt) mit Zuordnung der Leukozytensubpopulationen zu den Punktwolken.
Von Sysmex GmbH, Norderstedt, Deutschland dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.

Lymphozyten sind charakterisiert durch relativ geringen Gehalt an Nukleinsäuren (Fluoreszenzsignal relativ niedrig) und glattem runden Zellkern bei Fehlen von Granula (geringes Seitwärtsstreulicht).
Monozyten haben im Vergleich zu Lymphozyten mehr Zytoplasma und enthalten mehr Nukleinsäuren. Demzufolge weisen sie mehr Fluoreszenz auf. Der Kern ist vielgestaltig gelappt und bedingt damit ein stärkeres Streulichtsignal als das der Lymphozyten. Neutrophile, Basophile und Eosinophile haben etwas weniger Nukleinsäuren als Monozyten und zeigen deshalb geringere Fluoreszenz.
Auf Grund der Granula und des segmentierten Kerns zeichnen sich die Granulozyten durch starkes Seitwärtstreulichtsignal aus. Neutrophile und Basophile werden im Diffkanal in einer Punktewolke detektiert. Da die Basophilen von allen anderen Leukozyten aber im WBC-Basokanal unterschieden werden, werden sie vom Hämatologieautomaten als separate Zellpopulation dargestellt.
Die Granula der Eosinophilen reagieren mit dem Reagenz des Diff-Kanals und bilden stark seitwärtsstreuende Strukturen, deshalb ist ihre Seitwärtsstreulichtintensität stärker als das aller andern Leukozyten.

Sind in der Blutprobe atypische Lymphozyten (aktivierte B-Lymphozyten, Plasmazellen), unreife Granulozyten (IG = Metamyelozyten + Myelozyten + Promyelozyten), Blasten, Stabkernige oder Erythroblasten enthalten, dann wird dies durch einen Alarm angezeigt und die entsprechenden Zellen erscheinen auf dem Scattergramm als Punkte an den angegebenen Positionen, siehe Abb. 12. 
Im Diff-Kanal wird die Zellmembran der Erythroblasten lysiert. Die Kerne der Erythroblasten erscheinen im Diff-Scattergramm unter den Lymphozyten. Weil die Erythroblasten bei der Lyse ihr Cytoplasma und damit die RNS verloren haben, enthalten sie weniger Nukleinsäuren als die Lymphozyten und sind so im Scattergramm unterhalb der Lymphozyten zu finden. Bei Anwesenheit von Erythroblasten wird ein Alarm ausgelöst und die Probe in einer separaten Anforderung »g-BB + Erythroblasten« gemessen.



Abb. 12 Zuordnung pathologischer Zellpopulationen zu den Punktewolken im Diff- Scattergramm
(von Siemens, Advia, dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt)