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„Juckreiz“ entsteht durch neuro-immunologische Interaktionen in der Haut
Pruritus ist ein zentrales Symptom bei entzündlichen Hauterkrankungen, wie z.B. Neurodermitis oder Urtikaria. Die Empfindung „Juckreiz“ wird von sensorischen Nervenzellen über das Rückenmark ans Gehirn weitergeleitet. Das initiale Signal entsteht in der Haut durch Wechselwirkungen zwischen sensorischen Nervenfasern und Zellen des Immunsystems. Studien u.a. an der Medizinischen Hochschule Hannover haben nun Moleküle identifiziert, die diese Interaktionen vermitteln. Als im Serum messbare Laborparameter liefern sie objektive Kriterien für die Pruritusstärke und den Schweregrad der Erkrankung.

IL-31 und BDNF in der Pathogenese
Im Fokus der Studien stehen die Proteine IL-31 (Interleukin 31) und BDNF (brain derived neurotrophic factor). IL-31 ist ein starkes Pruritogen, das von T-Lymphozyten ausgeschüttet wird. Seine Rezeptoren werden von sensorischen Nervenfasern der Haut exprimiert. Man vermutet daher, dass durch die Bindung des IL-31-Rezeptors das Signal „Juckreiz“ ausgelöst wird.
BDNF bindet in der Haut von Neurodermitis-Patienten vermehrt an eosinophile Granulozyten und fördert so ihre Akkumulation. Eosinophile schütten zytotoxische Proteine und Radikale aus, die das Gewebe schädigen. Darüber hinaus könnte BDNF durch Interaktion mit den sensorischen Nervenfasern direkt an der Wahrnehmung des Juckreizes beteiligt sein.

Bild-Beschreibung

Abb.: IL-31 und BDNF vermitteln in der Pathogenese der Neurodermitis Wechselwirkungen zwischen Immunsystem (T-Zellen, Eosinophile) und Nervensystem (sensorische Nervenzellen). Dieser Prozess, der in der Haut stattfindet, ruft im Gehirn die Empfindung „Juckreiz“ hervor.

Eine Diagnostik-Information ist als PDF zum Ausdrucken verfügbar .

Indikationen
• Bei atopischer Dermatitis: Bestimmung von IL-31 und BDNF zur objektiven
  Messung der Pruritusstärke und zur Verlaufskontrolle.
• Bei chronischem Pruritus und Urtikaria: Bestimmung von IL-31 als objektiver
  Verlaufsparameter.

Diagnostik
IL-31 und BDNF werden mittels ELISA im Serum bestimmt. Für die Untersuchung benötigen wir ein Vollblutröhrchen.

Abrechnung
Die Analyse kann kassen- und privatärztlich abgerechnet werden.

Zitierte Literatur
Namura et al., Clinical Immunology, 2007
Raap et al., Allergy, 2006
Raap et al., Journal of Allergy and Clin Immunology, 2008
Raap et al., Experimental Dermatology, 2010

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