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Institut für Medizinische Diagnostik Berlin-Potsdam MVZ GbR |
Leistungsschwerpunkte > HLA-assoziierte Erkrankungen > Klinische Bedeutung des HLA-Systems
Klinische Bedeutung des HLA-SystemsDie zentrale immunologische Funktion der Antigenpräsentation und der hochgradige Polymorphismus des HLA-Systems ließ schon sehr früh vermuten, dass HLA-Moleküle eine wichtige Rolle bei Autoimmunerkrankungen, Allergien und chronisch persistierenden Infektionen spielen können. Inzwischen wurden durch eine Vielzahl von Untersuchungen bei mehr als 40 Erkrankungen, meist autoimmuner oder unklarer Genese, HLA-Krankheitsassoziationen erkannt. Für Mechanismen, mit denen die HLA-Allele direkt die Empfänglichkeit gegenüber bestimmten Erkrankungen beeinflussen, werden mehrere Hypothesen diskutiert, u.a. T-Zellrestriktion, molekulares Mimikry, Ligand/Rezeptor-Interferenz und klonale Deletion. Es wurden aber auch vereinzelt HLA-Krankheitsassoziationen gefunden, bei denen nicht zwingend das HLA-Gen, sondern ein eng benachbartes Gen an der Pathogenese einer Erkrankung beteiligt ist. Aufgrund der engen Nachbarschaft liegt ein Kopplungsungleichgewicht zwischen HLA- und Pathogenitätsgen vor, d.h. beide Gene werden fast immer zusammen (gekoppelt) vererbt. Daher kommen das eigentliche Krankheitsgen und das scheinbar assoziierte HLA-Gen gehäuft bei entsprechenden Patienten vor.
*) Relatives Risiko für Genträger die Erkrankung zu bekommen im Vergleich zu Nicht-Genträgern. RR; errechnet sich aus P+ x K- / P- x K+ (P+ = Anzahl merkmaltragender Patienten in %; P- = Anzahl nicht merkmaltragender Patienten in %; K+ = Merkmalträger unter den Gesunden in %; K- = Nicht-Merkmalträger unter den Gesunden in %. RR (Ziffer >1) besagt, wieviel mal häufiger eine Krankheit bei Vorhandensein im Vergleich zu Nichtvorhandensein des betrachteten Merkmals auftreten kann. Aus: Clinical Immunology, J. Brostoff, G.K. Scadding, D. Male, J.M. Roitt, Gower Medical Publishing London-New York 1991, p. 2.9 Labor und Diagnose, L.Thomas TH-Books Verlagsgesellschaft mbH, Frankfurt / Main 2005, Seite 1203 HLA-Merkmale sind wichtige erbliche Prädispositionsfaktoren. Es besteht ein Gen-Dosis-Effekt. Die Stärke der Assoziation zwischen HLA-Merkmal und einer Erkrankung wird durch das relative Risiko (RR) angegeben. Dieses zeigt an, um wie viel höher das Risiko bei Trägern bestimmter HLA-Merkmale ist, die Erkrankung im Vergleich zu Nicht-Merkmals-Trägern zu entwickeln. Viele Patienten sind heterozygot für das Krankheits-assoziierte HLA-Merkmal, was einen meist autosomal-dominanten Vererbungsmodus nahelegt. Klinisch und diagnostisch relevant ist aber das Prinzip des Gen-Dosis-Effektes. Das bedeutet, dass homozygot betroffene Patienten, die von beiden Eltern Krankheits-relevante HLA-Merkmale ererbt haben, eine frühere und stärkere Manifestation der jeweiligen Krankheitssymptome zeigen. Der positive Nachweis eines krankheitsassoziierten HLA-Merkmals weist somit auf eine genetische Prädisposition hin. Merkmalsträger müssen jedoch nicht zwingend erkranken, da gerade die Pathogenese bei Autoimmunerkrankungen sehr komplex ist und umweltbedingte Faktoren ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen. Die HLA-Typisierung ist daher nicht als Suchtest indiziert. Bei Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung stellt jedoch der Nachweis eines prädisponierenden HLA-Merkmals einen wichtigen differentialdiagnostischen Baustein dar. Neben der Beurteilung des Erkrankungsrisikos kann die Bestimmung von HLA-Merkmalen auch prognostische Signifikanz besitzen (z.B. Shared Epitope-Nachweis bei Rheumatoidarthritis). Die wichtigste Indikation besteht bei Krankheiten mit sehr starker Kopplung an bestimmte HLA-Allele, da bei einem negativen Testergebnis, die jeweilige Erkrankung relativ sicher ausgeschlossen werden kann (Zöliakie, Narkolepsie) wichtig sein. Schnellzugriff Kontakt Impressum |
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