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Warum Umwelt-Zahn-Medizin?
Erkrankungen, die mit chronischen Entzündungszuständen einhergehen, nehmen einen immer höheren Stellenwert, vor allem in den höher entwickelten Industrienationen, ein. Dazu zählen Allergien, Diabetes, Rheuma, Magen-, Darm- oder Schilddrüsenerkrankungen, Osteoporose, Herz-Kreislauferkrankungen sowie Parodontitis und andere chronische Infektionen, um nur die wichtigsten zu nennen. Die Fortschritte der Medizin haben die Komplikationen dieser Erkrankungen gemindert, nicht aber die Zahl der Patienten, bei denen die Diagnosen gestellt werden. Besorgniserregend ist vor allem der Anstieg auch bei jüngeren Patienten. Die Allergierate in Deutschland hat sich in den letzten 20 Jahren nahezu verdoppelt (1,2). Die Multiple Sklerose (3) wird dreimal, der Morbus Crohn (4,5) sogar viermal so häufig diagnostiziert wie noch vor 50 Jahren. Beim insulinabhängigen Diabetes mellitus rechnet man mit einem Anstieg um 70% in den kommenden 10 bis 15 Jahren (6). Das sind nur Beispiele, die den bedrohlichen Trend demonstrieren sollen.

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Diese Entwicklungen bleiben auch für die moderne ZahnMedizin nicht folgenlos. Zum einen haben es die Zahnärzte immer seltener mit Patienten zu tun, die frei von jeder chronischen Erkrankung in ihrem Zahnarztstuhl Platz nehmen. Zum anderen sind aber gerade die Zahnmediziner gezwungen, Fremdmaterialien in den Körper ihrer Patienten dauerhaft einzubringen. Da bis heute keine biokompatiblen körperfremden Materialien zur Verfügung stehen, müssen sie davon ausgehen, dass im individuellen Fall jedes Material einen Trigger für chronische Entzündungen darstellen kann.

Warum werden chronisch entzündliche Erkrankungen häufiger?
Die chronische Entzündung, das heißt die dauerhafte Aktivierung unseres Immunsystems, stellt den Schlüssel nahezu aller systemischen Erkrankungen dar. Im Gegensatz zur akuten Entzündung, die eine notwendige Reaktion unseres Organismus auf pathogene Eindringlinge wie Bakterien, Viren oder Pilze darstellt, ist die chronische Entzündung so gut wie immer Folge einer gestörten Immunregulation und Immuntoleranz. Ein gesundes Immunsystem ist in der Lage, eine ausgelöste Entzündung dem Ausmaß der Bedrohung anzupassen. Bei der großen Mehrzahl der chronischen Entzündungserkrankungen handelt es sich um eine andauernde Überreaktion des Immunsystems auf an sich harmlose Triggerfaktoren. Trigger können Allergene, Autoantigene, Immunkomplexe, Bakterien, Viren oder Pilze sein.

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Genetische Veränderungen können den rasanten Anstieg entzündlicher Erkrankungen innerhalb weniger Generationen nicht allein erklären. Zwar ist die Neigung, die eine oder andere Erkrankung zu entwickeln, genetisch vorgegeben, es bedarf jedoch immer einer Auslösung von außen durch Triggerfaktoren. Zahnersatzmaterialien stehen dabei besonders im Fokus, da sie dauerhaft einwirken, 24 Stunden und T Tage pro Woche.

Zitierte Literatur
Schlaud M, Atzpodien K, Thierfelder W: Allergische Erkrankungen – Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). 2008. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 50: 701-710
Ring J, Fuchs T, Schultze-Wernighaus G (Hrsg.): Weißbuch Allergie in Deutschland. Urban & Vogel, München 2004
Alonso A, Hernán MA. Temporal trends in the incidence of multiple sclerosis: a systematic review. Neurology 2008. 8;71:129-35
Jacobsen BA et al. Increase in incidence and prevalence of inflammatory bowel disease in northern Denmark: a population-based study, 1978-2002. Eur J Gastroenterol Hepatol. 2006 ;18:601-6
Baumgart D. C. The diagnosis and treatment of Crohn´s disease and ulcerative colitis. Dtsch Ärztebl. Int. 2009 106:123-33
A. Neu, A. Willasch, S. Ehehalt, M. Kehrer, R. Hub und M.B. Ranke, Häufigkeit des Diabetes mellitus im Kindesalter in Deutschland. Ein epidemiologischer Überblick, 2001, Monatsschrift Kinderheilkunde, 149; 7: 636-640

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