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Biotineinnahme — zu hohe Dosen verursachen Interferenzen bei Laboruntersuchungen

Biotin wird in immunologischen Testsystemen zur Markierung von spezifischen monoklonalen Antikörpern oder Gensonden genutzt, um diese in einem weiteren Analyseschritt mittels Streptavidin zu binden und so nachweisen zu können. Daher besteht die Gefahr, dass es bei einem hohen Biotinspiegel im Blut zu Interferenzen mit Labortesten und zu falschen Messergebnissen kommen kann2-6. Insbesondere für kritische Notfallparameter wie z. B. Troponin können falsch gemessene Werte fatale Folgen nach sich ziehen.

Biotin, auch als Vitamin B7 oder Vitamin H bezeichnet, wird in zunehmendem Maße eingenommen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält eine tägliche Zufuhr von 30-60 µg1 für gesunde Erwachsene für angemessen. Biotinsubstitutionen in höheren Dosierungen finden sich im medizinischen Bereich z. B. in der Dermatologie und bei Erkrankungen des Immunsystems.

Neben medizinischen Indikationen werden im Handel Biotin Präparate frei verkäuflich als Nahrungsergänzung angeboten und u. a. mit einem Effekt für eine Verbesserung des Hautbildes und des Wachstums von Haaren und Fingernägeln beworben. Diese weisen oft das Vielfache dessen auf, was in Multivitaminpräparaten enthalten ist. 

Was ist nun zu tun?

Wir bitten Sie, Ihre Patienten nach einer Biotineinnahme zu befragen. Hierbei ist nicht nur die Menge von Vitamin H, sondern auch der Zeitpunkt der Einnahme entscheidend für das weitere Vorgehen. Bei der Einnahme von biotinhaltigen Multivitaminpräparaten sind keine Messinterferenzen zu erwarten. Liegt die Einnahme einer Biotindosis von mehr als 5 mg länger als 8 Stunden zurück, ergeben sich aufgrund der Pharmakokinetik von Biotin ebenfalls keine messtechnischen Probleme5

Idealerweise sollte am Morgen der Blutentnahme die Biotineinnahme nach dem Arztbesuch erfolgen. Negative Folgen bei den Labortesten können so sicher vermieden werden. In der Notfallsituation bitten wir dringend, uns über eine weniger als 8 Stunden zurückliegende Biotineinnahme von mehr als 5 mg auf dem Anforderungsschein zu informieren.

Biotin-Interferenz führt zu

niedrigeren Messwertenhöheren Messwerten
AFPAnti-HAV IgM Tg-Ak (TAK) Anti-HAV
CA 125 HBs-Ag Anti-TPO Anti-HBc
CA 15-3HBe-AgTSH-Rez. AK (TRAK)Anti-HBe 
CA19-9 Anti-HBs Cortisol 
CA72-4 Anti-HBc IgM DHEA-S
CEA Anti-HCV Estradiol
C-Peptid HIV-Suchtest Folsäure
Ferritin Lues-Suchtest FT3
Insulin FSH FT4
Myoglobin HCG  Progesteron
NT pro BNP LH Testosteron
PCT  Prolactin Vitamin B12
S 100  PSA, total 25-OHVitamin D
SCC PSA, Frei
Troponin T PTH
HolotranscobalaminSHBG
TSH

Quelle: ECLIA Testanleitungen, COBAS, Roche

Literatur

  1. www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/biotin/
  2. www.bfarm.de Wichtige Arzneimittelinformation: Risiko falscher Ergebnisse von Laboruntersuchungen durch Biotininterferenzen, Mai 2019
  3. Li D. et al., JAMA. 2017 Sep 26;318(12):1150-1160.
  4. Trambas et al, Ann Clin Biochem. 2018 Mar;55(2):205-215
  5. Aktuelle Trends zur Einnahme von Biotinpräparaten; Mögliche Interferenzen bei Labortesten, © 2018 Roche Diagnostics
  6. Pöhler A et al., Bioanalysis. 2019 May 9. doi: 10.4155/bio-2019-0080