Wissenschaft am IMD

Warum höhere Vitamin D-Blutspiegel in der Schwangerschaft nicht automatisch eine gute Versorgung bedeuten

Während der Schwangerschaft steigt östrogenbedingt die Konzentration des Vitamin D-Bindungsproteins (VDBP). Dadurch wird mehr Vitamin D im Blut gebunden, während die freie, bioverfügbare Fraktion nicht zwangsläufig zunimmt. Gleichzeitig steigern Nieren und Plazenta die Bildung des 1,25-Dihydroxyvitamin D (Calcitriol), um insbesondere den erhöhten Kalziumbedarf für die fetale Skelettentwicklung zu decken. Eine kürzlich zur Publikation angenommene Studie des IMD Berlin bestätigt diese physiologischen Veränderungen: Bei 16017 Schwangeren waren sowohl Gesamt-25(OH)D als auch 1,25(OH)₂D deutlich erhöht (Link zur Originalarbeit). Das direkt gemessene freie 25(OH)D unterschied sich in einer kleineren Teilgruppe dagegen nicht signifikant von der Gruppe der nicht-schwangeren Frauen. Dies zeigt, dass ein Vitamin D-Mangel in der Schwangerschaft nur über das freie 25(OH)D zuverlässig erkannt werden kann, während herkömmliche Gesamtwerte eine ausreichende Versorgung oder sogar exzessive Zufuhr vortäuschen.