Newsletter Juni 2026

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NEUES AUS DEM LABOR

NAD+ und NADH im EDTA-Blut – neu am IMD
NAD+ und NADH sind zentrale Coenzyme des Energiestoffwechsels. Ihre Bestimmung im EDTA-Vollblut liefert eine systemische Momentaufnahme des zellulären Energie- und Stoffwechselstatus des Körpers. Verminderte NAD+-Spiegel oder ein Ungleichgewicht im NAD+/NADH-Verhältnis können auf verminderte Energieproduktion, Stressbelastung oder eingeschränkte Regeneration hinweisen. Verlaufsuntersuchungen helfen, Maßnahmen wie Ernährung, Training oder Supplementation zu bewerten. Weitere Hintergründe und alle praktischen Details finden Sie in der Diagnostik-Information (Link zum PDF).

Referenzwert von Ferritin auf 100 ng/ml angehoben
Um dem präventiv-funktionell-medizinischen Denkansatz in der Medizin Vorschub zu leisten, hat das IMD für das Ferritin den unteren Referenzwert von 15 ng/ml auf 100 ng/ml angehoben. Der alte Referenzwert war klinisch determiniert und allenfalls geeignet, einen manifesten Eisenmangel als Ursache einer Anämie nachzuweisen. Der neue Referenzwert von 100 ng/ml erlaubt es, schon einen latenten Eisenmangel zu objektivieren, auch wenn dieser noch nicht mit klinischen Folgeerkrankungen assoziiert ist. Mehr davon finden Sie in unserer Diagnostik-Information (Link zum PDF).

EGFM-Kongress am 18.-20.09.2026 in Kassel
Unter dem Leitthema „Frauengesundheit“ erwarten Sie spannende Vorträge zu Kinderwunsch, Fertilität, Zyklusbeschwerden, Wechseljahren und zu den Zusammenhängen zwischen Hormonen, Darm und Ernährung. Im Fokus stehen funktionell-medizinische Ansätze, die Ursachen zu erkennen und Patientinnen individuell zu begleiten. Freuen Sie sich auf den fachlichen Austausch! Informationen zu Programm und Anmeldung finden Sie im Veranstaltungsflyer (Link zum PDF).

LABORPARAMETER – NEU ERKLÄRT

Lp-PLA2 zur Differenzierung von Gefäßentzündung
Lp-PLA₂ (Lipoprotein-assoziierte Phospholipase A₂) ist ein spezifischer Biomarker für Entzündungen der Gefäßwand. Im Gegensatz zu CRP oder Entzündungszytokinen zeigt Lp-PLA₂ vaskuläre und nicht systemische Entzündungsprozesse an. Erhöhte Werte weisen auf instabile atherosklerotische Plaques hin und sind mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall assoziiert – auch bei unauffälligen Blutfettwerten.

DIE FRAGE AUS DER PRAXIS

Warum ist manchmal Butyrat im Stuhl vermindert, obwohl butyratbildende Bakterien im Normbereich liegen?
Butyrat wird von bestimmten Darmbakterien aus fermentierbaren Ballaststoffen im Dickdarm produziert. Es dient als zentrale Energiequelle für Kolonozyten, wirkt antientzündlich und unterstützt die Integrität der Darmbarriere. Für seine Bildung sind butyratbildende Bakterien unerlässlich, es gibt allerdings einige Gründe, warum die Butyratspiegel trotz ausreichender Menge dieser Bakterien absinken können.
Substratmangel: Eine unzureichende Zufuhr von fermentierbaren Ballaststoffe über die Nahrung kann die Butyratproduktion einschränken, selbst bei (noch) ausreichender Menge butyratbildender Bakterien.
Mangel an Ballaststoffverwertern: Insbesondere Bacteroides spp. gelten als Primärverwerter von Ballaststoffen, weil sie in der Lage sind, verschiedene und auch sehr komplexe Ballaststoffe zu spalten. Viele Darmbakterien, wie auch die Butyratbildner, können komplexe Ballaststoffe nicht selbst spalten und sind daher auf diese Vorarbeit angewiesen.
Acetatmangel: Viele abundante Darmbakterien, z.B. Bifidobakterien oder Akkermansia muciniphila,  produzieren Acetat, das von Butyratbildnern weiter verstoffwechselt werden kann. Fehlen diese Bakterien oder ist die bakterielle Diversität, also der Artenreichtum der Darmbakterien, vermindert, steht weniger Acetat für die Butyratbildung zur Verfügung.
Laktatmangel: Auch Laktat, das von Milchsäurebakterien, wie Lactobacillus spp., und Enterococcus spp., sowie einigen Bifidobakterien gebildet wird, kann in Butyrat umgewandelt werden. Ein Mangel dieser Gruppen kann die Butyratproduktion reduzieren.
Erhöhter pH-Wert: In einem leicht sauren Milieu (Stuhl-pH-Wert 5,5 – 6,0) produziert z.B. Faecalibacterium prausnitzii pro fermentierter Ballaststoffmenge deutlich mehr Butyrat als bei einem neutralen oder leicht basischen pH-Wert.

WISSENSCHAFT AM IMD

Metallbelastungen und Geburtsgewicht: Essenzielle Spurenelemente schützen das Ungeborene
Eine neue Studie der Universität Heidelberg und des IMD Berlin unter Leitung von Prof. Berthold Hocher analysierte die Konzentrationen toxischer Metalle und essenzieller Spurenelemente im Blut von rund 2800 Mutter-Kind-Paaren und prüfte einen Zusammenhang zum Geburtsgewicht (Link zur Originalpublikation). Die Auswertung zeigte, dass Belastungen der Mutter mit Cadmium oder Cäsium mit einem signifikant niedrigerem Geburtsgewicht einhergehen. Höhere Spiegel an Mangan oder Kobalt (innerhalb des physiologischen Bereiches) korrelierten hingegen mit einem höheren Geburtsgewicht. Darüber hinaus wirkte Mangan dem negativen Einfluss von Cäsium entgegen, was für eine bisher unbekannte direkte oder indirekte biologische Wechselwirkung zwischen Mangan und Cäsium spricht.

FÜR SIE GELESEN

Klinische Validierung der Telomerlänge in einer großen britischen Kohorte
Telomere schützen die Enden der Chromosomen und verkürzen sich bei Zellteilungen. Ihre Länge gilt daher als Marker der biologischen Alterung. Eine große Analyse der UK Biobank mit rund 470000 Teilnehmenden unterprüfte den Zusammenhang zwischen Leukozyten-Telomerlänge, Erkrankungsrisiken und Mortalität (Schneider et al., JAMA Internal Medicine 2022; 18: 291–300). Kürzere Telomere waren mit einer erhöhten Gesamtmortalität sowie insbesondere mit kardiovaskulärer, respiratorischer, gastrointestinaler und muskuloskelettaler Sterblichkeit assoziiert. Zudem zeigten sich Zusammenhänge mit zahlreichen chronischen Erkrankungen. Die Ergebnisse blieben auch nach Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren wie Alter, Rauchen, Alkoholkonsum, Körpergewicht und Begleiterkrankungen statistisch signifikant. Für die Labordiagnostik unterstreichen diese Daten die Bedeutung der Telomerlängenmessung aus EDTA-Blut als ergänzenden Biomarker.

Leptin als Marker metabolischer Risikodynamik
Leptin wird überwiegend im Fettgewebe gebildet und vermittelt dem Hypothalamus Informationen über die vorhandenen Energiereserven. Bei Adipositas sind die Leptinkonzentrationen häufig ohne ausreichende appetithemmende Wirkung erhöht – ein Ausdruck möglicher Leptinresistenz. Leptin ist jedoch nicht nur an der Regulation von Hunger und Sättigung beteiligt, sondern beeinflusst auch Entzündung, Insulinsensitivität und den Energiestoffwechsel. Eine Studie an rund 8400 Erwachsenen zeigt nun, dass ein um eine Standardabweichung höherer Leptinspiegel die Wahrscheinlichkeit verdoppelt, in einen metabolisch ungesunden Zustand überzugehen (Ozkan et al., J Clin Endocrinol Metabolism 2025; 110: e2939–e2945). Gleichzeitig war ein höherer Leptinwert bei metabolisch bereits erkrankten Personen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für eine Rückkehr zu metabolischer Gesundheit assoziiert. Diese Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit vergleichbarem BMI je nach Leptin-Serumspiegel ein unterschiedliches metabolisches Risiko aufweisen können. Die Leptinbestimmung im Serum kann deshalb zusätzliche Informationen über die Funktion des Fettgewebes und das Risiko einer metabolischen Verschlechterung liefern.

FORTBILDUNGEN

Online-Seminare
 
09.09.2026
18 - 20 Uhr
Wenn die Gelenke schmerzen - Differentialdiagnostik bei Arthralgien
Programm und Anmeldung
Prof. Dr. med. Oliver Frey
Dr. rer. nat. Brit Kieselbach
23.09.2026  
18 - 20 Uhr
"Raise the bar": Neue Interpretationsgrenzen für Ferritin-Hintergründe und Anwendung
Programm und Anmeldung
Prof. Dr. med. Oliver Frey
Dr. med. Wilhelm Schneiderhan
30.09.2026  
18 - 20 Uhr
Die Darmbarriere verstehen – Relevante Marker sicher interpretieren & therapeutisch anwenden
Programm und Anmeldung
Dr. rer. nat. Christiane Kupsch
Andrea Thiem
07.10.2026  
18 - 20 Uhr
Einfluss von Vitamin D auf das Immunsystem
Programm und Anmeldung
Prof. Dr. med. Berthold Hocher
Dr. med. Volker von Baehr
04.11.2026  
18 - 20 Uhr
Ernährungsmedizin im Kontext Mikrobiom und Immunsystem (ketogen, karnivor, LPS, Zytokine)
Programm und Anmeldung
Dr. med. Gerrit Keferstein
Andrea Thiem
02.12.2026  
18 - 20 Uhr
Mikrobiologie up to date: was passiert mit der Probe im modernen Labor?
Programm und Anmeldung
Kirsten Hage
Jane Dienemann
Prof. Dr. med. Oliver Frey
Präsenz-Fortbildungen
 
18.-20.09.2026
in Kassel
6. EGFM-Jahreskongress "Frauengesundheit"
Programm und Anmeldung
Europäische Gesellschaft 
Funktionelle Medizin e.V. (EGFM)
06.-07.11.2026
in Berlin-Blankenfelde
EGKU: 24. Umweltmedizinische Jahrestagung 
"Fatigue - Kardinalsymptom unserer Zeit"
Programm und Anmeldung
Europäische Gesellschaft für Klinische Umweltmedizin e. V. (EGKU)
Kurse und Curricula
 
Ausbildung zum Therapeuten für Funktionelle Medizin
Termine und Anmeldung
Europäische Gesellschaft Funktionelle Medizin e.V.
Basisausbildung zum Orthomolekular-Therapeuten
Termine und Anmeldung
Forum Orthomolekulare Medizin in Prävention und Therapie e.V.
DEGUZ Kompakt-Curriculum Umwelt-ZahnMedizin & Umwelt-ZahnTechnik
Termine und Anmeldung
Deutsche Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin e.V.
Kairos-Inspirationstage: Erfüllung und Selbstbestimmung im Heilberuf
Termine und Anmeldung
Kairos – Institution für medizinische
und persönliche Transformation
Multisystemerkrankungen
Termine und Anmeldung
Akademie für Funktionsbezogene Medizin
Dr. Marco Schmidt
Weiterbildung der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie (KMT)
„KMT-Curriculum“
Programm und Anmeldung
Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie e.V.

Informationen zu Programm und Referenten/innen sowie zur Anmeldung für diese und weitere Fortbildungen finden Sie unter:  Fortbildungen

REDAKTION UND INHALTLICHE BETREUUNG

Dr. med. Volker von Baehr ()
Dr. rer. nat. Cornelia Doebis (Biomarker & Durchflusszytometrie - )
Prof. Dr. med. Oliver Frey (Immundefektdiagnostik & Immunphänotypisierung - )
Prof. Dr. med. Berthold Hocher (Endokrinologie - )
Dr. rer. nat. Katrin Huesker (Spurenelemente & Metalle -
Dr. rer. nat. Brit Kieselbach (Autoimmunologie - )
Siba Alkhaddour, Ärztin (Allergie - )
Dr. rer. nat. Christiane Kupsch (Mikrobiomanalytik - )
Dr. rer. nat. Bella Roßbach (Neuroendokrinoimmunologie - )
Dr. rer. nat. Anne Schönbrunn (Funktionelle Immundiagnostik - )
Dr. rer. nat. Sabine Schütt (Immungenetik - )
Andrea Thiem, Praktische Ärztin (Mikrobiom & Orthomolekulare Medizin - )