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Das HLA-System und Krankheitsassoziationen

HLA-Moleküle bestimmen den genetischen Fingerabdruck jeder Körperzelle. Über HLA-Moleküle werden dem zellulären Immunsystem sowohl körpereigene als auch körperfremde Antigene »präsentiert«. Anhand des Komplexes aus HLA-Molekül und Antigen erkennen die Lymphozyten, ob sie mit einer Immunantwort reagieren müssen oder ob sie das präsentierte Antigen als körpereigen tolerieren. Diese zentrale Rolle der HLA-Moleküle (Humane Leukozyten Antigene) macht deutlich, warum sie eine überragende Rolle vor allem bei Autoimmunerkrankungen, Allergien oder chronisch persistierenden Infektionen spielen und hier sogar als Indikatoren für definierte Erkrankungen dienen.

Das HLA-System wird vererbt

Die HLA-Oberflächenmoleküle werden durch eng gekoppelte Gene auf dem menschlichen Chromosom 6 kodiert. Sie werden funktionell in 2 Gen-Regionen unterteilt: Klasse I enthält die HLA-Merkmale A, B und C. Zur Klasse II gehören die HLA-Merkmale DR, DQ und DP. Da jeder Mensch jeweils ein Chromosom von der Mutter und eines vom Vater erbt, besitzt er für jedes HLA-Merkmal jeweils 2 Allele (z. B. B27 und B15).

Molekularbiologische Methoden ermöglichen den sicheren Nachweis aller HLA-Genotypen der Klasse I und der Klasse II mit niedriger (2-stelliger) oder hoher (4-stelliger) Auflösung.

Abb. 1  Antigenpräsentierende Zellen (APC) prozessieren aufgenommene Antigene und präsentieren die Bruchstücke, gekoppelt an HLA-Moleküle, auf der Zelloberfläche der T-Zellen.

Wichtigste Indikation: Differentialdiagnostik von HLA-assoziierten Erkrankungen

HLA-Merkmale kommen gehäuft bei bestimmten Erkrankungen vor. Aufgrund der engen Assoziation zwischen HLA-B27 und M. Bechterew (Ankylosierende Sponydylitis) ist der B27-Nachweis inzwischen ein etablierter differentialdiagnostischer Marker. Der Nachweis prädisponierender HLA-Merkmale kann aber heute auch bei vielen anderen Erkrankungen als Marker in der Differentialdiagnostik eingesetzt werden (siehe Tabelle). Zudem sind auch HLA-Assoziationen bekannt, die einen Krankheitsschutz vermitteln, also protektiv wirken. 

Bemerkung: Der positive Nachweis eines HLA-Merkmales, das mit einer Krankheit assoziiert ist, weist auf eine genetische Prädisposition hin. Es ergibt sich ein, im Vergleich zum »Normalkollektiv«, relatives Risiko des HLA-Trägers zu erkranken (siehe Tabelle). D. h. ein Merkmalsträger muss nicht zwingend erkranken. Bei Verdacht auf eine solche Erkrankung stellt jedoch der Nachweis des prädisponierenden HLA-Merkmals einen wichtigen Baustein für die Diagnose dar.

Weitere Indikationen für HLA-Typisierungen

Neben der Typisierung im Rahmen von HLA-assoziierten Krankheiten sind HLA-Bestimmungen essentiell bei

  • Spenderauswahl vor Organtransplantationen
  • Spendertypisierung vor Knochenmarktransplantationen
  • Ersttypisierung von Knochenmarkspendern für Spenderdateien

Material

2 ml EDTA-Blut

Bitte geben Sie neben dem angeforderten HLA-Merkmal immer die Verdachtsdiagnose an. Der Transport ins Labor ist nicht zeitkritisch und kann per Postversand erfolgen. Für die genetische Untersuchung benötigen wir die Einverständniserklärung des Patienten. 

Abrechnung

Eine Abrechnung im kassen- und privatärztlichen Bereich ist gegeben. HLA-Bestimmungen belasten nicht das Laborbudget. 

Erkrankung/ Verdachtsdiagnose

 

HLA-Merkmal

Relatives Risiko

Allergie

gegen Latex

DR4, DQB1*03:02 (DQ3)

2,4

Alopecia areata

 

DR5

5,4

Alveolitis, chron. exogen-allergisch

 

DR6

16,5

Alzheimer-Krankheit

 

B7, A1, A2

28

Anämie

Aplastische Anämie

DR2

2,2

Perniziöse Anämie

DR5

5,4

Analgetika-Asthma-Syndrom

 

A1

28,9

Adrenogenitales Syndrom – AGS

late onset Form

B14

48,5

Salzverlust-Form

B47

51

Anti-Phospholipid-Syndrom

 

DR4, DR7

5,1

Arthritis

juvenile ideopathische Arthritis

DR8, DR5, DR6

3,3 - 8,0

Rheumatoide Arthritis #

DR1, DR4 Subtypen

10,2

Psoriasisarthritis

B27

10,7

 Reaktive Arthritis

Shigellen, Yersinien, Salmonellen, Gonokokken

B27

40

Borrelien (Lymearthritis, chronisch) #

DR1, DR2, DR4 Subtypen

22

Aspirin-sensitives Asthma

 

DQ2

4,1

Autoimmunpankreatitis

 

DRB1*04:05, DQB1*04:01

 

Birdshot-Chorioretinopathie

 

A29

224

Borreliose (siehe reaktive Arthritis)

 

 

 

Cholangitis, primär sklerosierend (PSC)

 

DR52, DR3

4,5 – 15

Cholelithiasis

 

A19

131

CREST-Syndrom

 

DR5

8,1

Dermatitis herpetiformis

 

DR3, DR7

17,3

Dermatomyositis

 

DR3, DR7

5

Diabetes mellitus Typ1 #

DQ2, DQ3 Subtypen

> 50

DQB1*06:02

protektiv

Goodpasture-Syndrom

 

DR2

15,9

Glomerulonephritis, idiopathisch membranöse

 

DR3

12

Hämochromatose, idiopathische

 

A3, B7, B14

90

Hashimoto-Thyreoiditis

 

DR5, DR3

3,2

Hepatitis

 

 

autoimmun, chronischer Verlauf

DR3, DR4

4,7 - 12,5

Hepatitis B, chronischer Verlauf

B35

158

HbsAG-Träger, gesund

B41

11,2

HIV

 

Abacavir Hypersensitivität

B*57:01

117

verlangsamter Verlauf

B27, B57

protektiv

IgA-Nephropathie

 

DR4

5,5

Insulin-Unverträglichkeit

 

B7, B21

5,4

Lichen planus

 

DR1

11,8

Lupus erythematodes, systemisch (SLE)

 

DR2, DR3

5,8

Lupus, medikamentös induziert

 

DR4

5,6

Lupus-Nephritis

 

DR2, DQ1

14

Mischkollagenosen

 

DR4

3

M. Addison (idiopathisch)

 

DR3

6,3

M. Basedow (siehe auch Schilddrüse)

 

DR3

4

M. Bechterew

 

B27

87,4

M. Behcet

 

B51, B44, B52, B27

6,3

M. Crohn

 

DR1, DR4, DR7

2 – 7

M. Reiter

 

B27

37

Multiple Sklerose

 

DRB1*15:01 (DR2)

5,1

Myasthenia gravis

 

DR3, DR7

3,9

Narkolepsie

 

DQB1*06:02, DRB1*15:01

130

Nebennieren-Rinden-Hyperplasie, kongenital

 

B47
DR3

15,4
6,3

Nephropathie, membranöse idiopathisch

 

DR3

3 – 12

Polymyalgia rheumatica

 

DR3
DR4

2,3
5,7

Polymyositis

 

DR3, DR52

3 - 4,1

Pemphigus vulgaris

 

DR1, DR4, DR14

7,3 - 14,4

Psoriasis

 

C6, C7
B27, B57

33
6,7

Retinopathie, diabetische

 

B8

4

Sarkoidose

 

B7, B8
DR2, DR3, DR5, D14

8,5

Schilddrüse

Hashimoto-Thyreoiditis

DR3, DR5

3,2

M. Basedow

DR3

4,0

Thyreoditis de Quervain, subakut

B35

13,7

Thyreoiditis postpartum

DR4, DR5

8

Schizophrenie

 

A9, B27
A2, A11

11,9
9,8

Sjögren-Syndrom

 

DR2, DR3

9,7

Sklerodermie (PSS)

 

DR3, DR5, DR52

10 - 16,7

SSPE (subakut sklerotische Panenzephalitis)

 

A29

3,6

Stomatitis, rekurrierende aphthöse

 

B7

6

Thrombozytopenie

neonatale alloimmunologische

DR3

9,2

autoimmune thrombopenische Purpura

DR2

9,2

Thyreoditis de Quervain, subakut

siehe Schilddrüse

 

 

Thyreoiditis postpartum

siehe Schilddrüse

 

 

Uveitis, akute vordere

siehe M. Reiter

B27

10 – 50

Wegenerische Granulomatose

 

DR9

6,7

Zirrhose, primär biliäre (PBC)

 

DRB1*08:03 (DR8)

3 – 6,8

Zöliakie #

 

DQ2/DQ7/DQ8

52

Für die mit # gekennzeichneten HLA-Assoziationen gibt es jeweils eine separate ausführliche Diagnostikinformation, die Sie gerne unter (030) 77 001 - 220 telefonisch anfordern können.

Sie wollen sich einen Vortrag dazu ansehen?

Zu diesem Thema steht Ihnen in unserem Videoarchiv ein Übersichtsvortrag zur Verfügung. Der Zugang ist ohne Anmeldung und kostenfrei möglich.

     www.inflammatio.de