Nachweis von Parodontitis-assoziierten Keimen
Einordnung der Markerkeimanalyse
Parodontitis und Periimplantitis sind biofilmassoziierte, entzündliche Erkrankungen. Die Diagnose, Stadien- und Gradeinteilung sowie die Therapieentscheidung beruhen auf Anamnese, klinischem und radiologischem Befund. Der PCR-Nachweis beschreibt ausgewählte subgingivale Bakterien semiquantitativ. Die mikrobiologische Analyse ergänzt den klinischen Befund um wichtige Informationen zur individuellen Keimbelastung. Ein positiver oder hoher Markerkeimnachweis allein begründet keine systemische Antibiotikatherapie.
Mikrobiologische Diagnostik als wertvolle Ergänzung
Die Markerkeimbestimmung zeigt, welche parodontopathogenen Leitkeime nachweisbar sind und in welcher Menge. Gerade bei schweren, rezidivierenden oder therapieresistenten Verläufen kann dies wertvolle Hinweise liefern. Auch für die Verlaufskontrolle bietet die Analyse einen zusätzlichen objektivierbaren Parameter: Durch den Vergleich der Keimbelastung vor und nach der Therapie lässt sich erkennen, ob sich das mikrobielle Profil entsprechend verändert hat oder relevante Keime persistieren. Damit unterstützt die mikrobiologische Diagnostik eine umfassendere Beurteilung von Erkrankungsverlauf und Therapieerfolg, ohne die klinische Beurteilung zu ersetzen.
Molekularbiologischer Nachweis
Die mikrobiologischen Verhältnisse sind durch einen molekularbiologischen Test zuverlässig bestimmbar. Das PCR-Verfahren weist bakterielle DNA nach und ist nicht davon abhängig, ob die Erreger den Transport ins Labor überleben.
Indikationen
bei:
- therapieresistenten, refraktären Parodontitiden
- akuten, rasch verlaufenden Parodontitiden
- periimplantären Infekten
zur:
- Identifizierung von Risikostellen und Früherkennung eines Rezidivs
- Einschätzung des Risikos eines Implantatmisserfolgs im Vorfeld der Behandlung
- Verlaufskontrolle, um die Veränderung der individuellen Keimbelastung nach Therapie objektiv zu erfassen und persistierende parodontopathogene Keime zu erkennen
Durch die Kenntnis der mikrobiologischen Verhältnisse kann eine frühzeitige Therapie das Auftreten oder die Progression der Erkrankung verhindern.
Material
Die Probeentnahme aus der Zahntasche erfolgt mit Papierstreifen. Die Abnahme muss unbedingt vor einer mechanischen Behandlung bzw. Antibiotikatherapie erfolgen.
Der Transport ins Labor ist nicht zeitkritisch und kann per Postversand erfolgen. Entnahmebestecke und vorfrankiertes Versandmaterial werden vom Labor kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Abrechnung
Eine Abrechnung ist nur im privatärztlichen Bereich (GOÄ) gegeben. Eine Abrechnung ist nur im privatärztlichen Bereich (GOÄ) gegeben. Der Preis für Selbstzahler kann der aktuellen Preisliste entnommen werden. IMD Preisliste
Information für Patienten
Wir empfehlen grundsätzlich, Laboruntersuchungen über eine Praxis beauftragen zu lassen, da nur so eine fachgerechte medizinische Bewertung gewährleistet ist. Für Patientinnen und Patienten, die dennoch selbst eine Analyse in Auftrag geben möchten, bieten wir Zugang zu allen verfügbaren Tests in unserem IMD OnlineLabor.
Therapieempfehlung
Grundsätze der leitlinienorientierten Therapie
- Die Therapie erfolgt stufenweise; die mechanische subgingivale Instrumentierung ist die Basis.
- Die routinemäßige adjuvante Gabe systemischer Antibiotika wird wegen Nebenwirkungen und Resistenzentwicklung nicht empfohlen.
- Eine adjuvante systemische Antibiotikagabe kann bei eng begrenzten Patientengruppen erwogen werden, insbesondere bei hoher Progressionsrate und entsprechendem klinischen Gesamtbild.
- Komorbiditäten, Schwangerschaft/Stillzeit, Allergien, Interaktionen, Nieren-/Leberfunktion und vorausgegangene Antibiotikagaben sind zu berücksichtigen.
- Falls indiziert, soll die Antibiotikagabe in engem zeitlichen Zusammenhang mit der vollständigen mechanischen Biofilmentfernung erfolgen.
Wenn eine systemische Antibiotikagabe klinisch indiziert ist:
| Situation | Leitlinienorientierter Hinweis |
|---|---|
| Erste Wahl | Amoxicillin 500 mg + Metronidazol 400 mg, jeweils 3-mal täglich für 7 Tage |
| Bei Penicillinallergie | Die Auswahl einer geeigneten Alternative richtet sich nach Art und Schwere der dokumentierten Penicillinallergie sowie nach individuellen Kontraindikationen. Metronidazol allein kann bei entsprechender klinischer Indikation eine Option sein. |
| Clindamycin | Clindamycin sollte wegen des ungünstigeren Nebenwirkungs- und Resistenzprofils nicht routinemäßig als Standardersatz für Penicilline eingesetzt werden. Eine Anwendung kommt nur nach individueller klinischer Prüfung in begründeten Einzelfällen in Betracht. |
| Zeitpunkt | Beginn möglichst im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der mechanischen subgingivalen Instrumentierung. |
Nicht mehr empfohlen ist die frühere keimabhängige Therapietabelle. Die ältere Einteilung nach einzelnen Leitkeimen ist keine zeitgemäße Grundlage für eine Antibiotikaverordnung.



